Streetpunk mit der Ape 50

And now to something completely different…

Heute gibt’s mal einen Streetpunk-Bericht der etwas anderen Art. Es geht um ein kleines Fahrzeug mit extrem hohem Punkrockfaktor, es geht um die Ape 50. Nun ist fast ein Jahr vergangen, seit ich mir so einen Kasten zugelegt habe, Zeit für ein kleines Resümee. Falls jemand unter euch gerade ins Grübeln geraten sein sollte: Die Ape 50 ist ein motorisiertes Fahrzeug der Firma Piaggio, man kann dazu auch Verkehrshindernis, Lärmbelästigung auf drei Rädern oder aber auch Ausbremser beziehungsweise Schnakenhuster sagen. Die Begriffe sind weitreichend, wörtlich ins Deutsche übersetzt bedeutet Ape Biene, daher kann man auch verniedlichend Bienchen sagen.

Aber nun erst mal von vorn, welche dunkle Macht steckt dahinter, dass man sich so ein Gefährt schon jetzt zulegt und nicht erst im Rentenalter? Mangel an Dreiraderfahrung in der Kindheit? Oder einfach nur Seifenkistenromantik? Ich kann es mir auch noch nicht so recht erklären, eher wollte ich schon immer ’nen Youngster haben, aber mit zwei linken Händen und zu wenig Kohle war das nicht realisierbar. Egal, mit der Ape 50 hat man auch ein gewisses Oldtimergefühl, seit Herstellung des Prototyps wurde das Fahrzeug von der Entwicklerseite nämlich kaum verändert, Rost soll auch ein riesiges Problem sein, selbst Neufahrzeuge rosten bereits, Blech eben. Knautschzone? Fehlanzeige, als Airbaig müssen die eigenen Füße herhalten. Luxuriöse Innenausstattung? Keine Spur, die Fahrzeugkabine ist nur mit dem Nötigsten ausgestattet, man will sich ja mit dem Fahrzeug nur fortbewegen, nicht drin wohnen. Obwohl, ich fühl mich eigentlich schon ziemlich heimelig in meiner Kabine. Man kann sich die Bude ja schön einrichten, ich habe schon Exemplare gesehen, die wie ein Wohnzimmer gestaltet waren. Mit Tapete, gerahmten Familienfoto, verlegtem Parkett auf der Ladefläche und anderem Schnick Schnack. Man trifft immer wieder auf liebevoll verzierte Exemplare, Ape pimpen kann richtig Spaß machen. Daran lässt sich erkennen, dass Individualismus, verschrobener Humor und der leichte Hang zur Weirdness unter Ape Fans weit verbreitet sind. Weiteres Punkindiz: es gibt DIY-Ape-Fanzines, das wohl Bekannteste ist das „Rad ab“ Zine im praktischen Din A 5-Format. Coole Sache. Und so was ähnliches wie Chaostage gibt es auch: Ape-Treffen finden unter dem Begriff „Abknattern“ statt.

Tja, und dann ist da noch die Sache mit der Gemütlichkeit, wenn man ohne Eile durch den Berufsverkehr schlendert, gegen den Mainstream sozusagen. Wenn man weiß, dass man mächtiger ist als der Immobilienhai in seinem gepanzerten Luxusgeländewagen, den man schon seit ein paar Minuten im Rückspiegel beobachten kann, wie er nervös auf die Uhr schaut und sich aufregt, dass vor ihm, schön in der Mitte der Fahrbahn, so ein Dritte-Welt-Fahrzeug her tuckert. Das sind dann die Momente, in denen mir ein fettes Grinsen übers Gesicht huscht. Die Ape als verlängerter Mittelfinger gegen das Bonzenpack mit seinen Statussymbolen. Natürlich hätte ich keinerlei Überlebenschance, wenn’s zu einer Kollision mit so einem Geländewagen käme. Und meistens sind es auch solche Idioten, die einen ganz knapp und riskant überholen. Gut, es gibt auch die Sorte von Autofahrern, die mit so ’nem Panzer hinter einem her schleichen, obwohl zwei Fahrspuren vorhanden sind. In der Regel sind das gelangweilte Hausfrauen, die den Allradantrieb ihres schicken Zweitwagens zum Preis einer Eigentumswohnung nur benötigen, um im Parkhaus die Auffahrt hochzukommen. Weiß auch nicht, was die sich denken, wenn sie minutenlang so dicht im Windschatten hinter mir her fahren, dass ich sie nicht mal mehr im Rückspiegel sehen kann. Mehr als 37 km/h sind beim besten Willen nicht drin. Bergauf nimmt die Geschwindigkeit proportional zur Steigung rasant ab, Anstiege über 15% sollte man tunlichst meiden. Vor Kurven sollte man die Geschwindigkeit dann lieber mal von selbst drosseln, ihr wisst schon, wegen der Kippgefahr. Die ersten paar Wochen Fahreingewöhnung haben mich zugegebenermaßen schon ein wenig an meinem Verstand zweifeln lassen. Vor jeder Kurve hatte ich Bammel, jede Bodenwelle bescherte mir Schweißausbrüche, jeder Windstoß versetzte mich in Panik. Aber gerade dann, wenn man nach einer einstündigen Fahrt und nach mehreren adrenalinreichen Kurvenmanövern mit völlig tauben Ohren die Kiste in ’ne freie Mini-Parklücke steuert und den oben erwähnten Immobilienhai sieht, wie er das zehnte Mal zähnefletschend um den Block kurvt, weil er aufgrund seiner überdimensionalen Größe in keine der freien Parklücken reinkommt, ja dann macht sich ein wohliges Gefühl breit.

Das Fahrzeug gerade abgestellt, wird man bereits von wildfremden Menschen angesprochen, die allerlei Informationen über das Gefährt haben möchten. Schon komisch, dachte, so was passiert nur sonnengebräunten Sportwagenfahrern mit Goldkettchen und Rolex. Und auch während der Fahrt überwiegt die gute Laune: das Fahrgefühl ist gigantisch, man kann die Straße förmlich spüren. Enge Gassen mit Kopfsteinpflaster sind mein persönliches Highlight. Kinder hüpfen winkend und freudig aufgeregt am Straßenrand, fröhliche Menschen schenken einem ihr nettestes Lächeln und grüßen, jugendliche Cliquen zeigen mit dem Finger auf einen und lachen theatralisch (mein persönlicher Favorit, soll wohl Spott ausdrücken). Beim Parken der Kasten-Ape empfiehlt es sich, sein Fahrzeug so abzustellen, dass man wieder nach vorne raus fahren kann. Der Rückwärtsgang funktioniert zwar schon ganz gut, aber durch die Mini-Rückspiegel sieht man nicht wirklich, was sich hinten im toten Winkel abspielt. Aber wenn alle Stricke reißen, kann man die Ape auch locker aus der Parklücke raus schieben, sie ist ja nicht schwer. Wenn man sie vorne bei den Lichtern packt, kann man sie schön durch Anheben rangieren. Das geringe Gewicht hat aber nicht nur Vorteile, das merkt man, sobald es mal windet. Dem kann man entgegenwirken, indem man was Schweres in den Kasten lädt. Überhaupt, der Kasten eignet sich hervorragend zum Transport von Getränkekisten oder anderen sperrigen Sachen. Eines Tages werd‘ ich mir noch mal ’nen Schrebergarten anmieten, nur um Gartenmüll zu transportieren.

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Wer also mit dem Gedanken spielt, sich ebenfalls eine Ape zuzulegen, sollte ein gesundes Selbstbewusstsein, starke Nerven und ein Quantum an Gelassenheit mitbringen und dabei sehr genügsam sein. Dann sollte erst mal eine Probefahrt gemacht werden, am besten in der kalten Jahreszeit, wenn der Wind durch die undichte Kabine pfeift und die Scheiben beschlagen. Danach, so würde ich behaupten, schlagen sich 80 % diese Schnapsidee gleich wieder aus dem Kopf. Wenn ich z.B. gewusst hätte, dass manchmal die Tür in der Kurve aufspringt, nur weil man durch ein Schlagloch gefahren ist, tja…und mit ein wenig Glück bemerkt man dabei auch, dass beim Türschließen von innen sich das Gummiteil vom Griff ablöst, was es einem unmöglich macht, die Tür mit nur einer Hand zu zumachen, man braucht immer zwei Hände…

Damit eine Probefahrt möglich ist, wird natürlich ein Händler benötigt, der Api im Vertrieb hat. Ich hatte das Glück, dass in einer 20 km entfernten Nachbargemeinde ein Händler ansässig ist, der sich auf Verkauf und Reparatur spezialisiert hat und obendrein auch noch sehr sympathisch ist und etliche skurrile Geschichten auf Lager hat. Und außerdem kann man da zahlreiche Modelle begaffen, gebraucht wie neu, sich Ideen holen usw.

Die Kosten:

Ich hab mir ein Neufahrzeug zugelegt, war zwar mit 4500 Stutzen recht teuer, aber der Wertverlust ist nicht so massiv wie z.B. bei einem Auto. Außerdem zahlt man nur die jährliche Mopedversicherung und TÜV-Pflicht besteht auch nicht. Wartungskosten halten sich in Grenzen, beim häppchenweisen Betanken ist der Geldbeutel auch nicht sofort auf einen Schlag leer, es gehen ja nur 10 Liter rein und die Benzinleuchte fängt bereits zu leuchten an, wenn der Tank zur Hälfte leer ist. Das ständige Geblinke geht einem dann so auf die Nerven, da tankt man dann lieber rechtzeitig. Ich bin hauptsächlich im Stadtverkehr unterwegs, da braucht die versoffene Kiste 5-6 Liter. Alle 1000 km wird ’ne Tankfüllung Öl benötigt. Da serienmäßig keine Heizung eingebaut ist, hab ich nachgerüstet (kostet ca. 250 EUR). Nachdem ich jetzt schon fast den ganzen Winter hinter mir habe, kann ich sagen, dass das eine Fehlinvestition war. Die Heizung sollte lediglich zum Einsatz kommen, um beschlagenen Scheiben entgegenzuwirken, aber mit einem Schwamm kommt man super gut zu Recht, alle drei Verglasungen lassen sich ohne Mühe bequem wischen, ohne dass man sich verrenken oder sonst irgendwie körperlich anstrengen müsste. Da ich die Ape sowieso nur für Kurzstrecken brauche, kommt die Heizung erst in die Gänge, wenn ich schon fast am Ziel angekommen bin. Ach ja, ordentliche Winterreifen auf Felge sind für etwa 230 EUR zu kriegen. Bei geschlossener Schneedecke ist es zwar ein bisschen mulmig zu fahren, aber es geht schon…

Was mir aber immer noch Kopfzerbrechen bereitet: ich brauche dringend Musik in der Ape. Das Original Radio und die Lautsprecher von Piaggio sind mir zu teuer, ich brauche eine mp3-Lösung. Bisher hab ich ein kleines Gerät mit integrierten Boxen, das mit aufladbarem Akku betrieben wird und auch ordentlich laut ist. Aber sobald der Motor gestartet wird, wird die Musik verschluckt. Blöderweise ist es am Schlimmsten, wenn man Hardcore/Punk hört. Offenbar liegen diese Musikrichtungen in einer ähnlichen Frequenz wie das Knattergeräusch des Motors (ihr wisst schon: Streetpunk). Jazz hingegen funktioniert. Also, wenn jemand ’ne Idee hat, bitte melden. 12V Rollerbatterie und Zigarettenanzünder 12V sind vorhanden, die Batterie sollte natürlich nicht leiden. Weiß jemand, ob ich da PC-Lautsprecher hin hängen kann? Bin in technischen Dingen halt ’ne Null. Hab schon mit dem BOSE Sounddock geliebäugelt, ist aber irgendwie zu teuer.

Neulich, als ich so ca. 20 cm Schnee auf meiner Ape ansammelte, hab ich festgestellt, dass es lange nicht so laut in der Fahrerkabine war. Das hat mich nun auf die Idee gebracht, den Kasten ein bisschen gegen Schall zu isolieren. Dafür sollte ich aber erst mal die undichte Stelle ausfindig machen, an welcher bei Regen das Wasser in den Kasten dringt. Danach könnte ich dann auch gleich Laminat auf die Ladefläche klatschen. Könnte ein Großprojekt werden. Womit wir wieder beim DIY Ethos angelangt sind und somit auch beim (vorläufigen) Ende.

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